Frauenhandel Zwangsheirat Fallbeispiele

Rina

Rina und ihre Familie aus dem Libanon leben schon lange in Deutschland. Doch ihr Vater hatte sie schon als Kind einem Freund der Familie im Heimatland versprochen, auch um die Familienbindungen zur Heimat zu stärken. So wurde Rina mit 17 Jahren im Libanon verheiratet mit einem 36jährigen Mann, den sie zuvor noch nie gesehen hatte, und lebte mit ihm im Haus der Schwiegereltern. Dort stand sie unter strenger Kontrolle und musste im Haushalt hart arbeiten. Ihr Ehemann misshandelte und vergewaltigte sie.

Im Rahmen eines Familienbesuches in Deutschland konnte Rina eine Freundin um Hilfe bitten und fliehen. So konnte sie dem Rückflug in den Libanon entkommen. Durch die Hilfe zur Flucht kam sie in Kontakt mit JADWIGA.

In dieser Krisensituation konnten wir Rina zuerst mit einer Unterbringung in einem Zimmer helfen und organisierten das Notwendigste wie Hygieneartikel, Kleidung und Lebensmittel. In vielen gemeinsamen Gesprächen erzählte sie mir von ihren Erlebnissen, dem schwierigen Leben im Libanon und den Verletzungen durch den Ehemann.

Wir begleiteten Rina zu den Behörden, um ihre Daten zu schützen und um finanzielle Hilfen zum Lebensunterhalt zu beantragen. Obwohl sie gut deutsch sprach, brauchte sie die Unterstützung von JADWIGA. Alleine traute Rina sich zu Anfang nicht auf die Straße. Bisher hatte die Familie alle Angelegenheiten geregelt.

Rina entschied sich dann, ihren Ehemann wegen Freiheitsberaubung, Misshandlung und Vergewaltigung anzuzeigen. Zu den Vernehmungen bei der Polizei begleiteten wir sie. Dieser Schritt war für sie besonders schwierig. Auch körperlich ging es ihr sehr schlecht.

In den folgenden Wochen konnten wir langsam beginnen, über die Zukunft zu sprechen. Rina wollte gerne eine Ausbildung machen. Hier eine selbständige Entscheidung zu treffen, fiel ihr sehr schwer. Doch in vielen Gesprächen schöpfte sie Vertrauen zu sich selbst und begann mehr und mehr ihren Lebensweg selber zu gestalten. Dabei unterstützt JADWIGA sie.

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